25
Jan
2007

drei Worte: Mars, Tiefseerausch, Hausmeisterin

Amelie wurde älter und faltiger, die Knochen gingen langsamer die Strassen von Paris entlang und ihr Blick verlor an äusserer Schärfe.

Sie hatte Zeit und keine Eile. Lange stand sie vor ihrer Wohnungtür und betrachtete die Fotos die darauf klebten.

Da war ein Foto von ihr aus jungen Jahren: sie mit Zorohut und Maske.


Ein Foto zeigte ihren ersten gemeinsamen Frühstückstisch und sie merkte noch heute das Regenbogenlicht das diesen Tisch umgab.

Sie Hand in Hand mit ihrem Liebsten, beide mit ersten grauen Haaren und sie lachten besinnungslos vor Freude.


Das Foto daneben zeigte ihren Frühstückstisch zu ihrem 30sten Hochzeitstag: Biosäfte, Zwieback und ihr Hörgerät war im Marmeladenglas, ihr liebster hielt es für das Foto neben sein prustendes lachendes Gesicht.
Ja, ach... ihr liebster versteckte es immer an den unmöglichsten Orten. Schlieslich war er vom Mars, so wie sie von der Venus ist. Sein Humor und Witz war ihr manchmal ein Rätsel gewesen. Doch gerade weil er so eigen und ihr manchmal fremd war, liebte sie ihn noch immer innig.


Ein Foto zeigte ihren ersten einsamen Frühstückstisch nach seiner Beerdigung - er schlief schmunzelnd und dankbar ein.
"Dankbar bin ich dir", waren seine letzten Worte, "denn du hast mir die Schätze von drei Planten gezeigt: Erde, Mars und du die Venus... und du bist der schönste Schatz von allen."
Amelie lächelte zahnlos und froh als sie an diesen Abschied dachte. Ja, ihre Liebe war manchmal ruhig und klar wie ein unberührter See in der Mongolei gewesen.
Mal gingen die Wellen hoch bis zu den Sternen und runter bis an den Grund der Seelen. Auch in diesen schwierigen Zeiten lies sie alles zu und wehrte sich nicht. Denn sie wusste das die Ängste flüchtig sind wie die Halluzinationen eines Tiefseerausches.

Sie öffnete knarrend ihre Wohnungtür, das Nachbarskind hatte unter Amelies Namenschild eine Zusatzschild geklebt: "Unserer liebsten Hausmeisterin zum 95. Geburtstag".
Darauf kritzelte sie mit unschuldiger Kinderhand eine lachende Sonne mit zwei Beinen und zehn Händen. Die Sonne hatte eine Sprechblase mit der vertrauten Hausnummer 57.
Amelie setzte sich an ihren Tisch und eine lebenssatte Träne kullerte an ihre Nasenspitze.

Trackback URL:
http://umrum.twoday.net/stories/3235856/modTrackback

logo

..:: umrum ::..

ich schau um mich rum

Aktuelle Beiträge

ich weis gar nicht ob...
ich weis gar nicht ob ich hier weiterschreiben soll...
umrum - 14. Aug, 15:02
Tonband, Leuchtturm,...
Sie ging mit ihrem Hund Tenresig die Küste entlang....
umrum - 25. Jan, 21:29
drei Worte: Mars, Tiefseerausch,...
Amelie wurde älter und faltiger, die Knochen gingen...
umrum - 25. Jan, 21:28
drei Worte: Kabelkanal,...
Die Maus wusste heut nicht an welcher Ecke der Küche...
umrum - 25. Jan, 21:26
drei Worte: wetterkatastrophe,...
Der Wettergott Egal wie er es auch machte, die Leute...
umrum - 25. Jan, 21:23

gefundene Seiten

Archiv

Januar 2007
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
26
27
28
29
30
31
 
 
 
 
 

User Status

Du bist nicht angemeldet.